Die Frage „Was ist Aufklärung?“ beantwortete Immanuel Kant 1784 mit dem vielzitierten Satz: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“ Diese Definition, der abschließende Aufruf, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, und die damit verbundene Wertschätzung von kritischer Vernunft, Erkenntnisstreben und Rationalität wurden seither zu einem Merkmal europäischer Selbstverständigung. Nicht zuletzt im Vergleich oder in der Auseinandersetzung mit nichteuropäischen Kulturen und scheinbar „voraufgeklärten“ Weltanschauungen und Religionen wird dies deutlich. Anlass genug, um die Voraussetzungen und Implikationen der „europäischen Aufklärung“ genauer zu hinterfragen.

Kants Statement war Teil einer breiteren Debatte in Philosophie, Literatur, Theologie und Pädagogik, die der europäischen Aufklärung eine breite Basis verschaffte und bis in die Gegenwart wirksam blieb. Es lassen sich gemeinsame philosophische Grundsätze ausmachen, ebenso sind Diskurse um politische und soziale Gleichheit sowie das Interesse an naturwissenschaftlicher Erkenntnis und Reisen verbindende Elemente. Durch Projekte der volkssprachlichen Bildung und der Enzyklopädisierung von Wissen sollte ein möglichst breites Publikum erreicht werden. Die Akteur*innen der europäischen Aufklärung verstanden sich dabei durchaus als Kosmopoliten, denn die zentralen Schriften der Aufklärung wurden über die Nationengrenzen hinaus gelesen, übersetzt und diskutiert. 

Diese Konstellationen machen einen interdisziplinären Blick, der das Länder- und Fachgrenzen überschreitende Projekt „Aufklärung“ aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, besonders spannend. Was ist beispielsweise typisch für die Aufklärung in Literatur, Musik und Kunst? Welche gesellschaftlichen und politischen Diskurse werden geführt und wie wirken sich diese auf die kulturellen Erzeugnisse des 18. Jahrhunderts aus? In welchen Beziehungen stehen die Akteur*innen der Aufklärung zueinander, welche Netzwerke bilden sie? Neben dem historischen Blick lässt sich die Perspektive auch auf die Rezeption der europäischen Aufklärung lenken: Welche Wirkkraft konnte sie entfalten, welche Maßstäbe setzen? Welche gegenläufigen Bewegungen gerieten in Spannung zu ihr? Worin liegt das originäre Spezifikum von „europäischer Aufklärung“ im Vergleich zu aufklärerischen Tendenzen in anderen Epochen und Kulturen? Und wie wurde die Aufklärung zum Bezugspunkt für das europäische Selbstverständnis?

Die Ringvorlesung stellt diese unterschiedlichen Facetten dar, präsentiert zentrale Diskurse und Akteur*innen der europäischen Aufklärung und gibt Einblick in die Bandbreite der Aufklärungsforschung innerhalb des Europa-Schwerpunktes der Philosophischen Fakultät. 

In allen Genres der Literatur und bei so gut wie allen Autorinnen und Autoren findet man die Beschäftigung mit dem Traum und mit Träumen — man könnte vermuten, von Beginn der Literatur an. Träume werden im Text nachgebildet und imitiert, manche konstruiert, offenbar aufgezeichnete Träume gehen episodenhaft in narrative Strukturen ein oder werden mehr oder weniger übertragen, umgearbeitet ins Literarische. Das wirft die Frage auf: Ist die Genese von Traum und Literatur möglicherweise verwandt, strukturähnlich, gehorcht gleichen Bedingungen und Gesetzen der Poesie? 

In den ersten Treffen nach der Vorbesprechung versucht ein Initialreferat (nebst Klärung einschlägiger Grundbegriffe) Parallelen und Gegensätze zwischen literarischer und Traumproduktion darzustellen. Bei dieser Veranstaltung handelt es sich jedoch um eine praktische Übung, daher wird erwartet, dass die Teilnehmenden bereit sind, eigene Traumprotokolle oder literarische Texte, die aus Träumen hervorgehen oder Träume als Material verwenden, anzufertigen und für den folgenden Diskurs innerhalb des praktischen Seminars zur Verfügung zu stellen. Themen des Diskurses können z.B. folgende sein:

  • Besteht Verwandtschaft in Genesis oder Struktur zwischen poetischen Texten und Träumen? Liegen beiden gleiche Antriebe zu Grunde? 
  • Traumprotokolle, Traumdichtung und ihre Traditionen, der Traum in der Literatur
  • Jargons, Stile, Konventionen des traumhaften Schreibens – der literarisch konstruierte Traum
  • Gibt es Traumrekorder? Ist Traumaufzeichnung ohne Interpretation möglich? Wie authentisch sind Traumprotokolle? Auf welche Weise und wie stark entzieht sich der Traum unserer Betrachtung? (Träume sind Schäume...
  • Literaturkritik ist erlaubt -- Traumkritik ebenso?
  • Der besondere mentale Zustand des Traums – entspricht ihm ein besonderer Zu­stand beim Schreiben? – Andere poetogene Bewusstseinszustände wie Tagtraum und katathyme Imagination, Trance, Rausch
  • Lassen sich Traumdeutungstechniken auf Literatur übertragen?
  • umgekehrt: Sind Träume literarisch interpretierbar? (der Traumtext begreifbar als Metatraum, als Theorie des Traums?)
  • Traumaufzeichnung als Material für Literatur: Spart der Rückgriff auf Träume Imaginationsarbeit beim Erzeugen von Literatur?

Die diesjährige Oscarverleihung mit fünf Nominierungen und insgesamt vier Preisen für das Biopic Bohemian Rhapsodyzeigt: Musiker*innen, ihr Leben und ihr musikalisches Schaffen laden zur cineastischen Auseinandersetzung ein und finden ein begeistertes Publikum. Ob aus Interesse an der Musik oder an dem Leben bekannter Persönlichkeiten – oder einer Mischung aus beidem: Die Gründe dafür sind ebenso vielfältig wie die Möglichkeiten einer cineastischen Annäherung an Musik und Musiker*innen. Hierbei ergeben sich je nach filmischer Gattung große Unterschiede in der Darstellung.

So ist beispielsweise die Trennung von Dokumentation und fiktionalem Film gar nicht so einfach, wie ursprünglich angenommen: Werk und Image der Musiker*innen sind kaum voneinander zu trennen, was die Annäherungen an die reale(n) Person(en) erschwert. Die Filme oszillieren häufig zwischen Fakt und Fiktionen, Klischees werden aufgegriffen und tradiert, medial stilisiert und oftmals verklärt. Gerade dies Spiel mit Fakt und Fiktion macht Filme über Musiker*innen – in ihren verschiedenen Ausprägungen – sehr attraktiv als postmodernen Austragungsort von Identität.  

Ziel des Seminars ist es, genau diese medialen Inszenierungsstrategien zu analysieren und Gattungsmischungen einzuordnen. Wir beginnen mit einer Einführung in die zentralen Elemente der Filmanalyse, wie beispielsweise Erzählstruktur und Bildkomposition. Anschließend widmen wir uns den Besonderheiten der Gattungen Dokumentation, Mockumentary und Biopic sowie der gattungsspezifischen Darstellung von Musiker*innen im Film.

In dieser Veranstaltung werden wir uns mit der Frage auseinandersetzen: Was ist Populismus? Was kennzeichnet populistische Politik? Welche Gefahr geht vom Populismus für die Demokratie aus? Wir werden uns mit linken und rechtem Populismus beschäftigen, mit populistischen Parteien in Deutschland, Europa, Nord- und Südamerika, Asien und Afrika. Wir werden die grundlegenden Argumentationsmuster populistischer Akteure kennenlernen, uns damit auseinandersetzen, wie Populismus das politische und soziale Leben in demokratischen Systemen verändert und praktische Übungen durchführen, wie populistischer Argumentation zu begegnen ist..